HOMOCYSTEIN

Was ist es? Welches Risiko birgt es und was kann man dagegen tun?

Was ist Homocystein?

Homocystein wird nicht über die Nahrung aufgenommen, sondern ist ein Zwischenprodukt im Aminosäure-Stoffwechsel und ist in jedem Körper in einer bestimmten Konzentration zu finden. Es entsteht bei der Umwandlung von Methionin (Met) und Cystein (Cys), was beides Aminosäuren sind.

In der Veranschaulichung ist oben die Ausgangs-Aminosäure Methionin zu sehen, welche nun in das Zwischenprodukt Homocystein umgewandelt wird. Darauffolgend kann das Homocystein entweder zu Methionin remethyliert oder zu Cystein demethyliert werden. Dies sind die beiden Wege, wie Homocystein abgebaut bzw. in andere Aminosäuren umgewandelt werden kann. Hierbei ist elementar, dass diese Wege abhängig von bestimmten Co-Faktoren sind. Co-Faktoren sind bestimmte Moleküle oder Molekülgruppen, die für die Funktion bestimmter Enzyme unerlässlich sind. Somit werden diese zwingend benötigt, um bestimmte Stoffwechselschritte möglich zu machen (zu katalysieren).

Dabei ist der „1. Weg“ (Demethylierung zu Cystein) abhängig von Vitamin B6 als Co-Faktor.

Der „2. Weg“ (Remethylierung zu Methionin) benötigt Vitamin B12, Folsäure (B9) und auch indirekt Vitamin B2, um richtig zu funktionieren.

Diese Tatsachen sind unglaublich wichtig, wenn man sich genauer mit dem Homocystein-Spiegel als Risikofaktor beschäftigt.

Homocystein als Risikofaktor für verschiedenste Krankheiten

Ein erhöhter Homocystein-Spiegel hat wissenschaftlich nachgewiesen viele Auswirkungen auf den menschlichen Körper. So können bei frühzeitigem Erkennen zu hoher Werte kardiovaskuläre Erkrankungen, Augenerkrankungen oder auch Erkrankungen des Gehirns, wie Demenz oder Alzheimer gelindert oder sogar ganz verhindert werden.

Erhöhtes Homocystein als Erkrankungsrisiko:[5][6]

  • Herz-Kreislauferkrankungen:

Es wurde in den letzten 30 Jahren in zahlreichen Studien belegt, dass ein erhöhter Homocystein-Spiegel das Risiko für Arteriosklerose, tiefe Venenthrombose und Bluthochdruck deutlich erhöht.

  • Schlaganfall:

Ein Report der HOPE-2-Studie dokumentierte, dass tägliche Supplementierungen mit Folsäure, Vitamin B6 und B12 über 5 Jahre, wodurch der Homocystein-Spiegel gesenkt wird, das Schlaganfallrisiko um 25 % vermindert hatten.[7]

  • Alzheimer und Demenz

Viele Querschnitts- und prospektive Studien haben Assoziationen zwischen kognitivem Defizit oder Demenz und Homocysteinämie (HHcy) bzw. B-Vitaminmangel gefunden[8]

  • Makuladegeneration

Die Makula (auch oft gelber Fleck genannt) ist in der Netzhaut der Ort des schärfsten Sehens. Die altersbedingte Makuladegeneration (AMD) ist die häufigste Augenerkrankung in der westlichen Welt, welche bei Personen über 50 Jahren die Sehleistung stark beeinträchtigt.

Ein Zusammenhang von erhöhten Hcy-Spiegeln und Makuladegenerativen Erkrankungen wird divers diskutiert. Jedoch konnten einige Studien bei Personen mit fortgeschrittener AMD einen signifikant höheren Hcy-Spiegel feststellen als bei Kontrollen.[9]

  • Osteoporose

In einer Langzeit-Studie in Rotterdam und Amsterdam mit einem Beobachtungszeitraum von mehr als 8 Jahren, wurden mögliche Auswirkungen erhöhter Homocystein-Spiegel auf osteoporotische Knochenbrüche im Alter (Testpersonen zw. 55 und 90 J.) genau untersucht. Man kam zu dem Ergebnis, dass Personen mit sehr hohen Hcy-Werten fast doppelt so häufig Frakturen erlitten wie die Vergleichsgruppe.[10]

Der Homocystein-Spiegel

Lassen Sie, falls sie zu einer dieser Gruppen gehören, Ihren Homocystein-Spiegel bestimmen

Eine Messung des eigenen Homocystein-Spiegels ist eine einfache labortechnische Blutuntersuchung und sollte von jedem Hausarzt durchführbar sein. Die Kosten belaufen sich dabei auf rund 30€.

Vor allem für bestimmte Personengruppen ist es wichtig den eigenen Hcy-Spiegel zu kennen.[11]

Personengruppen, die vermehrt zu hohen Homocystein-Spiegeln neigen, sind:

  • Ältere Menschen (ab 50. LJ)

Dies ist meist durch einen Vitaminmangel im Alter zu begründen, vor allem ein Mangel an Vitamin B12, B6 und Folsäure macht sich dabei bemerkbar, da diese Vitamine Co-Faktoren bei Stoffwechselvorgängen zur Senkung des Hcy-Spiegels darstellen. Jedoch sind diese Mängel nicht immer auf die Ursache einer schlechten und Nährstoffarmen Ernährung zurückzuführen, oft handelt es sich um Resorptionsstörungen durch bestimmte Erkrankungen, wodurch Vitamine und Nährstoffe nicht mehr so gut aus der aufgenommenen Nahrung resorbiert werden können.

  • Vegetarier und Veganer

Personen, die keine tierischen Produkte zu sich nehmen, haben oft einen Mangel an Vitamin B12 vorzuweisen, da sich dieses Vitamin hauptsächlich in tierischen Erzeugnissen finden lässt.

  • Personen mit grundlegender Mangelernährung
  • Menschen mit bestimmten Erkrankungen und Einnahme von Medikamenten

Bei bestimmten Krankheiten (z.B. Diabetes mellitus) oder bei Personen, die regelmäßig Medikamente oder hormonwirksame Substanzen zu sich nehmen (z.b. „die Pille“) kann es zu vermehrtem Bedarf an B-Vitaminen kommen und dadurch wiederum ein Mangel und infolgedessen ein zu hoher Hcy-Spiegel auftreten.

  • Personen mit übermäßigem Alkohol- oder Kaffeekonsum

Wann ist mein Hcy-Spiegel zu hoch?

unter 10 µmol/l

normal

10-15 µmol/l

leicht zu hoch und etwas erhöhtes Risiko.

Es liegt meist ein Vitamin-Mangel vor

15-30 µmol/l

hohes Risiko. Spiegel stark erhöht.

Ursache sollte ärztlich abgeklärt werden.

über 30 µmol/l

Spiegel extrem hoch.

E liegt meist eine Genmutation oder eine andere Krankheit vor, weswegen eine entsprechende Diagnostik eingeleitet werden sollte.

Gründe für einen erhöhten Homocystein-Spiegel

Natürlich gibt es verschiedene Gründe für einen erhöhten Homocystein-Spiegel. Beispiele hierfür sind:[13]

  • Vitaminmangel (B12, B6, Folsäure) aufgrund von zunehmendem Alter, falscher Ernährung und/oder Magen-Darm-Erkrankungen
  • Gendefekt

Hier ist vor allem eine Mutation des MTHFR-Gens zu nennen, wodurch die Enzyme, die an der Umwandlung von Homocystein zu Methionin beteiligt sind nicht mehr richtig funktionieren.

  • Chronische Nierenschwäche
  • Stoffwechselerkrankungen (z.B. Schilddrüsenunterfunktion, Diabetes)

Allerdings sind lt. Dr. Paul Hudson „70 Prozent der Fälle eines erhöhten Homocysteinspiegels […] durch einen Mangel an den Vitaminen B6, B12 und Folsäure“[14] bedingt.

Hcy-Spiegel senken

Da ein großer Teil der zu hohen Spiegel-Werte auf einen Mangel an bestimmten Vitaminen zurückzuführen ist, kann man dem am einfachsten durch Gabe oder Aufnahme dieser Vitamine entgegenwirken. Falls in bestimmten Fällen andere Ursachen vorliegen, muss eine entsprechende Diagnostik gemacht werden.

Wichtig ist hierbei Vitamin B12, B6, Folsäure und auch Vitamin B2!

Dies kann über die Nahrung erfolgen, was jedoch eine Ernährungsumstellung mit sich bringen muss, da der Mangel ja schon länger besteht und für manche Personengruppen, wie z.B. Vegetarier/Veganer schwierig sein dürfte, da Vitamin B12 ausschließlich in tierischen Produkten zu finden ist.

Eine weitere Möglichkeit ist die Gabe der jeweiligen Vitamine. Dadurch kann man eine ausreichende dauerhafte Versorgung sicherstellen, schnell Ergebnisse erzielen und hohe Dosierungen einnehmen.

Am besten erfolgt dies mithilfe eines Kombipräparats, in welchem alle nötigen Vitamine in hohen Dosierungen enthalten sind.